StrandBlick September 2026

30 StrandBlick September | 2026 Scharbeutz Geplanter Start gegen Munition imMeer Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort und für viele die beliebteste Urlaubsregion. Nur wenige bedenken dabei eine Gefahr, die schon lange im Verborgenen lauert: Munition aus demWeltkrieg, die jetzt aufgespürt und beseitigt werden soll. An der Durchführung der systematischen Räumung werden sich Bund und Länder gemeinsam beteiligen. Ruhig liegt sie da, im Sonnenlicht, umkränzt von dekorativen Wolken. Ein beruhigendes Bild, wenn man nicht wüßte: unter dem Mee- resspiegel droht die Gefahr. In der deutschen Ostsee liegen schätzungs- weise 300.000 Tonnen Munitions-Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. Nach erfolgrei- chen Test- und Pilotbergungen in der Lübe- cker und Mecklenburger Bucht (bei denen fast 20 Tonnen gesichert wurden) bereitet der Bund die großflächige Räumung vor. Ziel ist es, die giftigen Stoffe aus den verrottenden Hüllen kontrolliert zu entfernen. Wer Genaues über diese Aktion erfahren wollte, der besuchte eine Informationsveran- staltung am 12. August im Regionalmuseum Pönitz. Zahlreiche interessierte Bürger waren gekommen, um die Pläne der Landesregie- rung hinsichtlich der Bergungsarbeiten genauer kennenzulernen. Bei der Podiumsdiskussion stand Schleswig- Holsteins Umweltminister Tobias Goldschmidt Unger neben Prof. Dr. Jens Greinert vom DeepSea-Monitoring des GEOMAR, Prof. Dr. Edmund Maser vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie des UKSH sowie Uwe Wi- chert aus demUmweltministerium und Oliver Kinhast vom SH-Kampfmittelräumdienst für Fragen und Erklärungen bereit. Und derer gab es viele, denn in der Region fehlt oft das Ver- ständnis für die lange Wartezeit auf eine Aktion, die aufgrund der Gefahrenlage drin- gend notwendig ist. Die Munition schlummert dort bereits seit dem Ende des 2. Weltkriegs. Die Alliierten hat- ten sich im Zuge der Entmilitarisierung Deutschlands entschieden, die Munition vor der Küste zu verklappen. Seitdem sind nun 80 Jahre vergangen, und die Gefahr für die Umwelt nimmt von Jahr zu Jahr zu. Das ist insbesondere in der Ostsee ein Problem, weil sich ihr Wasser – durch den vergleichsweise kleinen Anschluss an Nordsee und Atlantik über den Skagerrak – nur etwa alle 100 Jahre austauscht. Dadurch steigt die Konzentration von Schadstoffen im Wasser der Ostsee mit der Zeit immer mehr. Die Bundesregierung hat deshalb ein mehr- jähriges umfangreiches Sofortprogramm für die Bergung und Entsorgung von Altmunition in deutschen Meeresgewässern aufgelegt. Dabei wurden dafür geeignete Standorte vor Haffkrug und Pelzerhaken (Lübecker Bucht) sowie Boltenhagen (Mecklenburger Bucht) ausgewählt: Hier finden sich auf engem Raum verschiedenste Typen von Altmunition. So wurde erprobt, mit welcher Technik und bei welchen Munitionstypen ein größtmöglicher Bergungseffekt in den dichten, großen Haufen von Altlasten in den Versenkungsgebieten möglich ist. Sie ballen sich dort nämlich oft als regelrechte Munitionshaufen auf dem Meeresgrund zusammen. Einen ersten. Schritt zur Bergung unternahm bereits 2019 das mit EU-Mitteln gestartete Projekt BASTA das das GEOMAR Helmholtz- Zentrum für Ozeanforschung in Kiel federfüh- rend koordiniert. Hier ging es vor allem darum, am Meeresgrund lagernde Munition besser und schneller zu erkennen. Dazu nutz- ten die Forscher kleine autonome Unterwas- serfahrzeuge (AUVs), die mittels smarter Da- tenintegration und künstlicher Intelligenz in der Lage sind, verdächtige Objekte als Sprengstoff zu identifizieren und zu vermes- sen. Keine leichte Aufgabe: Sie müssen mit reichlich Daten gefüttert werden, denn Mess- werte etwa von Magnetik-Sensoren sind sehr verschieden, abhängig von der Größe der Mu- nitionskörper oder wie tief vergraben sie liegen. Auch wenn es kompliziert werden könnte: die Altlasten aus der Ostsee sollen jetzt weg! Dazu Tobias Goldschmidt: „Europa hat ein vitales Interesse an sauberen und gesunden Meeren. Die Beseitigung der Munition aus unseren Meeren ist eine europäische Generationen- aufgabe, die viel Geld und Kooperation erfor- dert.“ Da die Hoheit über die Küstengewässer bei den Bundesländern liegt, braucht es eine Struktur, die sowohl föderale Zuständigkeiten respektiert als auch eine bundesweite Har- monisierung ermöglicht. Aufgrund ihrer Expertise und der seit einem jahrzehnt beste- henden Kooperation haben GEOMAR und die IHK Schleswig-Holstein im Oktober 2024 das MUNIMAR-Zentrum ins Leben gerufen und werden kurzfristig mit der Arbeit beginnen. Im September soll die Vergabe zum Bau der Plattform stattfinden; im Herbst 2028 soll es mit der Bergung der Munition in der Lübecker Bucht losgehen. Für das Sofortprogramm stehen 100 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung. Das Konzept der Bundesregierung soll zeigen, wie die systematische Räumung großer Men- gen an Munitions-Altlasten in Nord- und Ost- see möglich ist. Die Durchführung wird dann eine Generatio- nenaufgabe sein, der sich Bund und Länder gemeinsam stellen müssen. SH-Umweltminister Tobias Goldschmidt (MItte) mit Oliver Kienast, Prof. Dr. Jens Greinert, Uwe Wichert, Prof. Dr. Edmund Maser bei der Informationsveranstaltung zum Thema Munition im Meer Schneeweiße Schäfchenwolken am sonnigen Herbsttag über der Ostsee - ein eindrucksvolles Bild, das nur beim näheren Hinschauen Sorgen macht: unter der Oberfläche warten bedrohliche Altlasten Fotos: Susanne Dittmann

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