Kein Platz für die Fahrradstraße: Trotz Demos wird die Einrichtung abgelehnt

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Eine Aktion, die aufmerksam machte. Bei der Fahrrad-Demo erinnerten die Timmendorfer daran, dass der Radweg sicher sein muss. (Foto: Susanne Dittmann)
Eine Aktion, die aufmerksam machte. Bei der Fahrrad-Demo erinnerten die Timmendorfer daran, dass der Radweg sicher sein muss. (Foto: Susanne Dittmann)

Was für ein Bild! Eine Rie­sen-Rad­ler­trup­pe fährt von Nien­dorf nach Tim­men­dorf über Strand­stra­ße und Strand­al­lee. Rund 200 Män­ner, Frau­en und Kin­der, eng ver­bun­den durch ein gemein­sa­mes Ziel: der Rad­weg zur Schu­le und ins Zen­trum soll wie­der sicher wer­den. Nach­dem das Rad­fah­ren auf der auto­frei­en Pro­me­na­de ver­bo­ten wur­de, fürch­ten vie­le Eltern um die Sicher­heit ihrer Kin­der. Eine Aus­nah­me gibt es zwar für Schü­ler bis zu 10 Jah­ren, aber alle ande­ren müs­sen die Stra­ße benut­zen. Die bun­te Demo unter dem Mot­to „Mehr Platz für’s Rad“ ist am 19. Mai 2021 gut ange­kom­men. Knapp ein Jahr spä­ter, am 9. März 2022, wur­de die Hoff­nung auf eine siche­re Fahr­rad­stra­ße jedoch zer­stört. Bei der jüngs­ten Sit­zung der Tim­men­dor­fer Gemein­de­ver­tre­tung stimm­ten CDU und WUB gegen die Ein­rich­tung. So wird die 5,5 Kilo­me­ter lan­ge Fahr­rad­stra­ße zwi­schen dem Nien­dor­fer Meer­was­ser-Hal­len­bad und der Ost­see-Ther­me in Schar­beutz wei­ter­hin ein uner­füll­ter Wunsch vie­ler Rad­fah­rer bleiben.

Das Pro­blem besteht, seit die Ver­kehrs­be­hör­de des Krei­ses im April 2021 die Strand­pro­me­na­de für Rad­ler sperr­te und somit den belieb­tes­ten und auch sichers­ten Weg zur rei­nen Fuß­gän­ger­zo­ne mach­te. Danach wichen die Rad­fah­rer auf die Strand­stra­ße aus, die ohne­hin durch zuneh­men­den Auto­ver­kehr mehr als belas­tet ist, und das führ­te zu oft chao­ti­schen Zustän­den. So kam es zur Grün­dung einer Bür­ger­in­tia­ti­ve und den ers­ten Demos im Ort.

Die gegen­wär­ti­ge Ver­kehrs­si­tua­ti­on in Tim­men­dor­fer Strand ist so nicht hin­zu­neh­men“, beto­nen Harm Kru­se und Tim Schrö­der, die gemein­sam die Bür­ger­initia­ti­ve „Pro Rad Tim­men­dor­fer Strand“ auf den Weg brach­ten. Ziel der gut besuch­ten Demo am 19. Mai 2021, deren Teil­neh­mer sich am OGT und am Nien­dor­fer Bal­kon tra­fen, war die GGS-Schu­le in der Post­stra­ße. Denn hier, in der Stran­dare­na, tra­fen sich um 18.00 Uhr die Gemein­de­ver­tre­ter, um unter ande­rem über die Kon­zep­te für den Rad­ver­kehr zu beraten.

Das The­ma ist nicht neu. „Vie­le Ideen zum Rad­ver­kehr für die Gesamt­ge­mein­de lie­gen schon lan­ge in den Schub­la­den und hät­ten längst ange­wen­det wer­den kön­nen“, kri­ti­siert Harm Kru­se die Orts­po­li­ti­ker. „Ich for­de­re die Poli­tik und die Ver­wal­tung auf, die Umset­zung die­ser Ver­kehrs­kon­zep­te voranzubringen.“

Damit hat­ten die Bür­ger Erfolg. Die Ver­tre­ter der Grü­nen stell­ten den Antrag, das bereits vor­lie­gen­de Fahr­rad­stra­ßen-Kon­zept, sofort umzu­set­zen. Als Sofort­maß­nah­me soll­ten alle Park­plät­ze auf Strand­al­lee und Strand­stra­ße ent­fal­len, um mehr Platz auf der Stra­ße zu schaf­fen. In die künf­ti­ge Fahr­rad­stra­ße wür­den dann nur noch Anlie­ger, Lie­fe­ran­ten, Taxen, Ver­sor­ger und Bus­se hin­ein­fah­ren. Die­se Maß­nah­me soll­te zu einer erheb­li­chen Redu­zie­rung des Durch­gangs­ver­kehrs und mehr Sicher­heit für Rad­fah­rer sorgen.

Der Antrag wur­de dann mehr­heit­lich ange­nom­men. Somit stand einer Umset­zung eigent­lich nichts mehr im Wege. Aller­dings hat­ten die Ver­tre­ter der ört­li­chen CDU und der WUB ande­re Plä­ne. Um ein „ein­zi­ges Durch­ein­an­der“ zu ver­mei­den, plä­die­ren sie für einen Mix aus 30er-Zone und Spiel­stra­ße, Ein­bahn­stra­ßen­re­ge­lun­gen und einen Rad­schnell­weg ent­lang der B 76. Die Pro­me­na­de soll Fuß­gän­ger­zo­ne mit zeit­wei­li­ger Öff­nung für Rad­fah­rer wer­den. Nur so sei der Lie­fer- und Lini­en­bus­ver­kehr wei­ter­hin möglich.

Das „Durch­ein­an­der“ wird wohl wei­ter­hin die Ver­kehrs­si­tua­ti­on in der Strand­al­lee bestim­men. Auto­fah­rer, Lie­fe­ran­ten und Rad­ler wer­den sich dar­auf ein­rich­ten müs­sen, denn in der Sai­son ist mit erheb­li­chem Ver­kehrs­auf­kom­men zu rechnen.