Rückblick auf ein besonderes Leben: Abschied von Helga Schütt

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"Lieber gemeinsam als einsam" lautet das Motto vom Seniorentreff: Helga Schütt leitete die Einrichtung mehr als 37 Jahre. Hier nimmt sie beim Jubiläumsfest im Fuchsbau Geschenke entgegen.

Fast vier­zig Jah­re lei­te­te sie den Tim­men­dor­fer Senio­ren­treff - und das auf ihre beson­de­re Art. Ihre „Barock­teen­ager“ tra­fen sich immer diens­tags im klei­nen, his­to­ri­schen Stroh­dach­haus mit­ten im Zen­trum, ein Refu­gi­um, das vor eini­ger Zeit senio­ren­ge­recht umge­baut wur­de und einen wich­ti­gen Platz im Leben der Älte­ren im Ort ein­nimmt. Gemein­sam wur­de gelacht, gefei­ert, ver­reist. Sie hat alles orga­ni­siert, mit viel Spaß und Enga­ge­ment. Hel­ga Schütt war für vie­le der ein­zi­ge Halt in einem All­tag, der mit zuneh­men­dem Alter ein­sa­mer wird. Nun müs­sen sich ihre Senio­ren von ihr ver­ab­schie­den. Die Tim­men­dor­fe­rin starb am 3. Mai im Alter von 82 Jah­ren.

Es war viel Herz­blut dabei, wenn man sich traf. Auf den Tischen im Stroh­dach­haus lagen Ser­vi­et­ten mit klei­nen Herz­chen: Geburts­tag­fei­er für einen der „Barock­teen­ager“. Immer mit einem ganz per­sön­li­chen Gedicht und einem schwung­vol­len Ständ­chen. Und viel Sym­pa­thie für die „Schirm­her­rin“ Hel­ga Schütt. Man weiß, was man ihr zu ver­dan­ken hat. Die schö­nen Rei­sen quer durch Deutsch­land, immer mit inter­es­san­ten Sehens­wür­dig­kei­ten und fröh­li­cher Gemein­schaft. Die vie­len Nach­mit­ta­ge, in denen man „gemein­sam statt ein­sam“ Freu­de tan­ken konn­te. Nicht zuletzt die lie­be­vol­le Zuwen­dung, die jeder zu schät­zen weiß.

Hel­ga Schütt war seit Grün­dung des Senio­ren­treffs anno 1983 dabei. Damals war sie zwar noch weit vom Senio­ren­al­ter ent­fernt, aber sozia­les Enga­ge­ment gehör­te schon immer zu ihrem Leben. 1960 zog sie nach Tim­men­dor­fer Strand - „der Lie­be wegen“. Im dama­li­gen Inter­nat hat­te sie als Erzie­he­rin den Leh­rer Karl-Heinz („Car­los“) Schütt ken­nen­ge­lernt und sehr bald gehei­ra­tet. Man fand eine schö­ne Woh­nung, zog die Kin­der groß - und „ganz neben­bei“ fand Hel­ga Schütt Zeit für die Poli­tik, in der sie bald bis zur stell­ver­tre­ten­den Kreis­prä­si­den­tin auf­stieg. In die­ser Posi­ti­on beglei­te­te sie auch den dama­li­gen Bun­des­prä­si­den­ten Richard von Weiz­sä­cker auf einer Fahrt durch die Regi­on.

Von 1974 bis 1998 war sie in der Orts­po­li­tik aktiv enga­gier­te sich als Gemein­de­ver­tre­te­rin und war 16 Jah­re lang im Kreis­tag ver­tre­ten, davon 12 Jah­re als Vize­prä­si­den­tin. 1998 erhielt Hel­ga Schütt das Bun­des­ver­dienst­kreuz am Ban­de. Dass sie neben­bei immer noch die Zeit fand, den Fami­li­en­haus­halt zu „schmei­ßen“, sich um die Senio­ren im Ort zu küm­mern und vie­le gemein­sa­me Rei­sen zu orga­ni­sie­ren, dafür hat man sie sehr bewun­dert. Der Rück­zug aus der Poli­tik war dann „ein wich­ti­ger und rich­ti­ger Schritt.“ Danach fand sie auch wie­der mehr Zeit für die Fami­lie: ihren Mann „Car­los“, die Kin­der, Frank, Mar­tin und Toch­ter Mei­ke, die mitt­ler­wei­le eben­falls eine Fami­lie haben, Eltern sind und sich immer auf gemein­sa­me Unter­neh­mun­gen mit der Oma freu­ten.

Hel­ga Schütt blieb aktiv, auch wenn’s manch­mal nicht leicht war. Ehe­mann Car­los starb kurz nach dem 50. Hoch­zeits­tag, der sehr roman­tisch gefei­ert wur­de (sie­he Strand­blick Mai 2010). Der Senio­ren­treff gab ihr Halt, und sie lei­te­te ihn mit so viel Begeis­te­rung, dass er zuneh­mend beliebt und ent­spre­chend gut besucht wur­de. In der fröh­li­chen Diens­tags-Run­de waren bereits alle Bürgermeister*innen der ver­gan­ge­nen Jah­re zu Gast. Man wuss­te ihren Ein­satz zu schät­zen und freu­te sich, wann man ihr begeg­ne­te, irgend­wo unter­wegs, vor eini­ger Zeit noch mit dem Fahr­rad, immer gut gelaunt und bes­tens infor­miert. Tim­men­dorf ohne Hel­ga? Undenk­bar! Man wird sich an sie erin­nern, als eine der prä­gnan­tes­ten Per­sön­lich­kei­ten der Gemein­schaft in Tim­men­dor­fer Strand.

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